Es war ein stürmischer, von heftigem Dauerregen begleiteter Dienstagnachmittag, als ich in den dichten Wäldern des Harzes unterwegs war, um auf alten, zugewachsenen Pfaden den Kopf frei zu bekommen. Abseits der regulären Wanderwege, tief im Unterholz versteckt zwischen moosüberwachsenen Baumwurzeln, blitzte plötzlich etwas Metallisches in der dumpfen Nachmittagssonne auf. Neugierig trat ich näher und zog eine alte, völlig verstaubte analoge Spiegelreflexkamera aus der feuchten Erde. Das Gehäuse war zerkratzt und von Rost zerfressen, doch als ich das Batteriefach öffnete, stellte ich fest, dass sich im Inneren noch immer eine alte Filmrolle bekanntlich, die offenbar seit Jahrzehnten lichtgeschützt im Gerät überdauert hatte, befand.
Fasziniert von diesem archäologischen Fund aus dem analogen Zeitalter nahm ich die Kamera mit nach Hause, brachte den Film am nächsten Tag zu einem spezialisierten Fotolabor für historische Entwicklung und wartete gespannt auf das Ergebnis. Nach fast einer Woche hielt ich schließlich einen Umschlag mit frisch entwickelten Schwarz-Weiß-Abzügen in den Händen. Die ersten Aufnahmen zeigen verschwommene Landschaften, alte Autos aus den neunziger Jahren und unbekannte Personen, die vermutlich vor über dreißig Jahren an diesem Ort campiert hatten. Doch je weiter ich durch den Stapel blätterte, desto bizarrer und unheimlicher wurden die Motive. Plötzlich wechselte die Kulisse von der Natur in einem geschlossenen Raum.
