Früher glaubte ich, das Schwierigste am Überleben des Brandes sei gewesen, mit den Narben zu leben, die er hinterlassen hatte. Doch nach einer unvergesslichen Nacht auf dem Abschlussball wurde alles, was ich über meine Vergangenheit zu wissen glaubte, völlig auf den Kopf gestellt.
Ich war neun Jahre alt, als das Feuer ausbrach.
Ich wachte auf und rang nach Luft in so dichtem Rauch, dass ich meine Zimmertür nicht einmal finden konnte. Irgendwo oben schrie meine Mutter meinen Namen. Als die Feuerwehr uns endlich herausholte, war die Küche zerstört, und Verbrennungen in meinem Gesicht, an meinem Hals und an meinem Arm hinterließen Narben, die nie ganz verschwunden sind.
Irgendwann lernt man, sein eigenes Spiegelbild wiederzuerkennen.
Was nie leichter wurde, war das Aufwachsen mit dem ständigen Starren der Leute. Niemand in der Schule sagte jemals etwas offen Gemeines, aber ich bemerkte immer die Blicke, das Getuschel, die Fragen. Und es tat weh.
Im letzten Schuljahr war ich allerdings schon sehr gut darin geworden, so zu tun, als würde mich das alles nicht stören.
Als dann die Zeit für den Abschlussball kam, sagte ich meiner Mutter, dass ich nicht hingehen wollte.
„Du kannst dich nicht ewig verstecken, Cindy“, sagte sie zu mir. „Einmal hat etwas Schlimmes dein Leben verändert. Lass es nicht immer wieder über dich bestimmen. Der Abschlussball ist ein einmaliges Erlebnis.“
Schließlich hat sie mich überzeugt.
Wir kauften ein Kleid, ich lockte meine Haare und verbrachte fast eine Stunde damit, mich zu schminken, um die meisten Narben an meinem Hals zu verdecken.
