Meine Kollegen neckten mich, weil ich elf Jahre lang jeden Tag mit dem einsamen Hausmeister zu Mittag aß – bei seiner Beerdigung nahm mich sein Anwalt beiseite und sagte: „Herr Wilson hat Ihnen das hinterlassen.“

Ein paar Jahre später zerbrach meine Ehe. In jener Woche kam ich zum Mittagessen, sagte kaum ein Wort, starrte auf mein Essen und aß kaum etwas.

Charles bohrte nicht nach. Er sprach nur über alltägliche Dinge, gab mir so etwas außerhalb meiner eigenen Gedanken zum Zuhören und sorgte dafür, dass sich die Stille zwischen uns sicher und nicht leer anfühlte.

Im Jahr darauf starb dann meine Mutter.

Drei Tage später ging ich wieder zur Arbeit, weil ich keine Ahnung hatte, was ich sonst mit mir anfangen sollte.

Ich hatte vergessen, mein Mittagessen mitzubringen. Ich setzte mich Charles gegenüber, merkte, dass ich nichts zu essen hatte, und starrte einfach nur auf den Tisch.

Ohne ein Wort zu sagen, riss er sein Sandwich in zwei Hälften und schob mir ein Stück zu.

„Iss etwas. Sonst geht es dir schlechter.“

Also aß ich.

Und zum ersten Mal seit der Beerdigung weinte ich vor jemandem, der nicht zur Familie gehörte.

Er unternahm keinen Versuch, den Schmerz zu lindern. Er saß einfach nur da und ließ ihn zu, als ob seine Anwesenheit genügen würde.

Und so war es.

An einem Montag erschien Charles nicht.

Mir fiel es sofort auf. Elf Jahre Mittagessen um die Mittagszeit lassen einen das schon bemerken.

Ich redete mir ein, dass er wahrscheinlich krank zu Hause sei, dass er am Dienstag wieder da sein würde, dass alles in Ordnung sei.

Der Dienstag ist vergangen.

Dasselbe galt für Mittwoch.

Am Donnerstag erwähnte mein Vorgesetzter es beinahe beiläufig, so wie man eben Dinge erwähnt, die einem nicht persönlich wichtig sind.

„Oh, hast du von dem Hausmeister gehört? Charles, ich glaube, so hieß er. Er ist am Wochenende verstorben. Herzinfarkt, nehme ich an.“

Einen Moment lang saß ich einfach nur da und konnte den Satz nicht verstehen, obwohl jedes einzelne Wort vollkommen klar war.

„Charles? Unser Charles?“

„Ich denke schon“, sagte sie zu mir und wandte sich schon wieder ihrem Computerbildschirm zu.

Ich ging ins Badezimmer und saß zehn Minuten in einer Kabine, bis ich wieder normal atmen konnte. Als ich endlich herauskam, sah der Pausenraum genauso aus wie immer.

Laut. Überfüllt. An unserem Tisch saß niemand.

Die Beerdigung fand an einem Samstag in einer kleinen Kapelle am anderen Ende der Stadt statt.

Ich bin alleine gegangen.

Ich hatte mich stillschweigend erkundigt, ob sonst noch jemand aus dem Büro vorhatte, teilzunehmen.

Ein paar Fremde neigten mir den Kopf mitfühlend zu, wie man es oft sieht, wenn man den Anschein erwecken will, sich zu kümmern, ohne tatsächlich etwas zu tun.