Sardinen: 2,9 Mikrogramm pro Gramm Gewebe
Blaukrabben: 0,3 Milligramm pro Gesamteinheit
Austern: 0,1 Milligramm pro Gesamteinheit
Garnelen: 0,07 Milligramm pro Gesamteinheit
Tintenfisch: 0,04 Milligramm pro Gesamteinheit
Der Spitzenwert bei den Wildsardinen ist aus Sicht der Lebensmittelsicherheit besonders kritisch zu bewerten. Rechnet man den Wert auf eine im Alltag übliche Portion von 100 Gramm Sardinen hoch, ergibt sich eine potenzielle Aufnahme von bis zu 30 Mikrogramm reinem Plastik pro Mahlzeit. Dieser im Vergleich zu Krabben oder Tintenfischen extrem hohe Wert lässt sich direkt auf die Anatomie und die Konsumgewohnheiten zurückführen. Während bei größeren Fischen oder Tintenfischen vor dem Verzehr der Magen-Darm-Trakt – also der primäre Ort der Plastikansammlung – vollständig entfernt wird, werden kleine Sardinen in der Regel im Ganzen verarbeitet und verzehrt. Der Konsument nimmt somit die Innereien, den Mageninhalt und die darin festsitzenden Mikroplastikpartikel direkt auf.
Die Gründe für die ungleiche Verteilung der Partikel
Dass bestimmte Arten wie Austern und Sardinen weitaus höhere Mengen an synthetischen Fragmenten speichern als beispielsweise Tintenfische, liegt an deren spezifischer Lebensweise. Austern gehören zur Gruppe der Filtrierer. Um Nahrung aufzunehmen, pumpen sie kontinuierlich enorme Mengen Meerwasser durch ihre Kiemen und filtern organische Schwebstoffe heraus. Da sie nicht zwischen Plankton und Mikroplastik differenzieren können, reichern sich die Partikel im weichen Körpergewebe der Muschel kontinuierlich an. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich bei Sardinen, die sich als Planktonfresser durch die oberen Wasserschichten bewegen, in denen die Dichte an schwimmenden Kunststoffpartikeln aufgrund der geringen Materialdichte von Polyethylen und Polypropylen besonders hoch ist.
Krabben und andere bodenlebende Krebstiere hingegen nehmen die Partikel vor allem über das Sediment auf. Größere Plastikteile sinken nach einer gewissen Zeit ab und lagern sich auf dem Meeresboden ab, wo sie von den bodenbewohnenden Organismen bei der Nahrungssuche im Sand mitaufgenommen werden. Der Tintenfisch hingegen, der als aktiver Jäger größere Beutetiere fängt und über einen hochentwickelten Verdauungsapparat verfügt, scheidet unverdauliche Partikel oft effizienter aus, weshalb sein Muskelgewebe die geringste Belastung im Testfeld aufwies.
Warum Sie den Konsum stark belasteter Arten überdenken sollten
Der regelmäßige Verzehr von stark mit Mikroplastik belasteten Meeresfrüchten birgt gesundheitliche Risiken, die in der medizinischen Forschung zunehmend mit Sorge betrachtet werden. Das Problem beschränkt sich dabei nicht nur auf die physische Präsenz der Fremdkörper im menschlichen Gewebe, sondern umfasst auch toxikologische Aspekte. Kunststoffe verhalten sich im Meerwasser wie chemische Schwämme: Sie absorbieren langlebige Umweltgifte wie polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide und Schwermetalle, die in geringen Konzentrationen im Wasser gelöst sind. Werden diese Partikel verzehrt, können sich diese hochtoxischen Substanzen im menschlichen Fettgewebe anreichern.
Zudem werden bei der Herstellung von Kunststoffen diverse Additive wie Weichmacher (Phthalate), Flammschutzmittel und Bisphenol A (BPA) eingesetzt. Diese Verbindungen sind dafür bekannt, dass sie in den Hormonhaushalt des menschlichen Körpers eingreifen können (endokrine Disruptoren) und mit verschiedenen chronischen Erkrankungen, Fruchtbarkeitsstörungen und entzündlichen Prozessen im Darmtrakt in Verbindung gebracht werden. Um die persönliche Exposition zu minimieren, empfiehlt es sich, den Konsum von Meeresfrüchten, die im Ganzen verzehrt werden, einzuschränken und stattdessen auf sorgfältig filetierte Fischarten oder Produkte aus kontrollierten, schadstoffarmen Quellen auszuweichen.
