Die Verschmutzung der weltweiten Ozeane durch Zivilisationsabfälle hat in den vergangenen Jahrzehnten Ausmaße angenommen, die weit über eine rein optische Beeinträchtigung der Küstenlinien hinausgehen. Ein besonders kritisches Nebenprodukt dieser Entwicklung ist die Entstehung und kontinuierliche Verbreitung von Mikroplastik. Unter diesem Begriff werden winzige Kunststofffragmente zusammengefasst, deren Durchmesser per Definition unter fünf Millimetern liegt. Diese Partikel entstehen entweder durch die physikalische und chemische Zersetzung größerer Kunststoffteile wie Verpackungen und Fischernetze durch UV-Strahlung und Wellengang oder sie werden industriell in Form von Pellets und Kosmetikzusätzen direkt in den Wasserkreislauf eingebracht. Mittlerweile ist diese Belastung so allgegenwärtig, dass die Partikel über die Nahrungskette, das Trinkwasser und sogar über die Atemluft in den menschlichen Organismus gelangen, wo sie potenzielle, bislang nicht vollständig erforschte gesundheitliche Schäden verursachen können.
Besonders betroffen von dieser Umweltkrise ist das marine Leben. Da Plastik im Meerwasser nicht biologisch abgebaut, sondern lediglich in immer kleinere Fragmente zerrieben wird, verwechseln viele Meeresbewohner die Partikel mit natürlicher Nahrung. Eine umfassende Analyse des World Wide Fund For Nature (WWF) kam zu dem alarmierenden Ergebnis, dass der durchschnittliche Mensch im Zuge seiner Ernährungsgewohnheiten wöchentlich etwa fünf Gramm Kunststoff aufnimmt – eine Menge, die rein rechnerisch dem Gewicht einer handelsüblichen Kreditkarte entspricht. Besonders besorgniserregend für Konsumenten von Fisch und Meeresfrüchten ist die Feststellung, dass der Verzehr von Schalentieren und Fischprodukten schätzungsweise für rund zehn Prozent dieser wöchentlichen Gesamtaufnahme verantwortlich ist. Das Risiko erhöht sich signifikant bei der Auswahl bestimmter Arten, die aufgrund ihrer Biologie und ihres Lebensraums besonders viel Kunststoff akkumulieren.
Um die genauen Belastungswerte in für den menschlichen Verzehr bestimmten Meeresprodukten zu ermitteln, hat das Quex Institute – eine wissenschaftliche Kooperationsplattform der britischen Universität Exeter und der australischen Universität Queensland – eine detaillierte Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser aktuellen Studie bestätigten das flächendeckende Vorhandensein von verschiedenen Kunststoffarten in nahezu allen getesteten Meeresfrüchtearten und lieferten konkrete Daten darüber, welche Meeresbewohner die höchsten Konzentrationen aufweisen und aus welchen Gründen bestimmte Arten für den Verbraucher ein erhöhtes Risiko darstellen.
Methodik und Durchführung der wissenschaftlichen Analyse
Die Validität und Aussagekraft wissenschaftlicher Studien hängt maßgeblich von der Präzision der angewandten Methoden ab. Für diese Untersuchung erwarben die Forscher eine repräsentative Auswahl an populären Meeresfrüchten direkt auf verschiedenen australischen Fischmärkten. Die Stichprobe setzte sich aus folgenden Organismen zusammen:
- 10 gezüchtete Austern (Crassostrea gigas)
- 10 in Aquakultur gezüchtete Tigergarnelen (Penaeus monodon)
- 5 wild gefangene Blaue Schwimmkrabben (Portunus armatus)
- 10 wild gefangene Tintenfische (Sepiida)
- 10 wild gefangene Sardinen (Sardina pilchardus)
Ein entscheidender Aspekt der Studienmethodik war die Vorbereitung der Proben. Die Meeresfrüchte wurden im Labor exakt so präpariert, wie sie auch von einem Endverbraucher für den Verzehr vorbereitet und gegessen würden. Das bedeutete bei einigen Arten das Entfernen der Schalen, während andere im Ganzen verarbeitet wurden. Die Analyse der essbaren Gewebeanteile erfolgte mittels Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie (Py-GC-MS). Hierbei handelt es sich um ein hochmodernes und präzises thermisches Analyseverfahren. Die organischen Proben werden unter Luftabschluss extrem stark erhitzt, wodurch die enthaltenen Kunststoffe in charakteristische Fragmente zerfallen, die anschließend gaschromatographisch getrennt und massenspektrometrisch exakt identifiziert werden können. Durch dieses Verfahren gelang es den Wissenschaftlern, spezifische Kunststofftypen wie Polystyrol, Polyethylen, Polyvinylchlorid (PVC), Polypropylen und Methylmethacrylat quantitativ im Gewebe nachzuweisen.
Ergebnisse: Welche Meeresfrüchte weisen die höchste Belastung auf?
Die Auswertung der Laborprüfungen ergab deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Arten. Obwohl Mikroplastikpartikel in sämtlichen untersuchten Meeresfrüchten nachgewiesen werden konnten, variierte die Konzentration je nach biologischer Struktur, Fressverhalten und Lebensraum des jeweiligen Tieres erheblich. Die nachfolgende Übersicht listet die ermittelten Gehalte auf, sortiert vom höchsten zum niedrigsten Wert bezogen auf die jeweilige Maßeinheit:
