Harrison hatte stundenlang im Bus gesessen und sich ausgemalt, wie er nach fünfzig Jahren der Reue endlich seine erste Liebe wiedersehen würde. Doch während eines Zwischenstopps am Straßenrand rief ihn eine ihm unbekannte Frau an und bat ihn inständig, ihm zu sagen, er sei noch nicht angekommen. Dadurch wurde die Reise zu etwas weit Dringenderem als nur einem Wiedersehen.
Margaret war meine erste Liebe.
Die einzige Frau, von der ich jemals wirklich glaubte, dass ich neben ihr alt werden sollte.
Doch fünfzig Jahre zuvor ließ ich sie gehen.
Ich habe nie aufgehört, sie zu lieben. Das wäre leichter zu ertragen gewesen.
Ich ließ sie gehen, weil ich jung, stolz und töricht war, so wie Männer es manchmal sind.
Margaret hatte die Chance, unsere Kleinstadt zu verlassen und sich eine bessere Zukunft aufzubauen, als ich sie ihr je hätte bieten können.
Also redete ich mir ein, ich würde etwas Edles tun.
Ich redete mir ein, Liebe bedeute, beiseite zu treten und sie gehen zu lassen.
Was ich in Wirklichkeit getan habe, war, uns beiden das Herz zu brechen und es Opfer zu nennen.
Ich habe nie geheiratet.
Ich hätte beinahe eine Frau aus der Gemeinde geheiratet, die dieselben Bücher liebte wie ich, und später eine Witwe in meinen Vierzigern, die nach Lavendel duftete und mit ganzem Herzen lachte.
Doch immer wenn das Leben etwas Dauerhaftes von mir verlangte, zog ich mich zurück.
Keine der beiden Frauen war unfreundlich oder unwürdig.
Sie waren einfach nicht Margaret.
Und wenn man viele Jahre damit verbringt, alles mit einer einzigen Sache zu vergleichen, die man verloren hat, beginnt man, neben seinem Leben zu leben, anstatt in ihm.
Ich hatte keine Kinder.
Von der engeren Familie war nichts mehr übrig, außer ein paar entfernten Cousins, die von mir eher aus Gewohnheit als aus Zuneigung Weihnachtskarten erhielten.
Ich trank um sechs Uhr Kaffee und sah um sieben Uhr die Nachrichten.
Ich ging, solange meine Knie es zuließen.
Meine Abende verbrachte ich im Sessel mit einem Buch oder dem Radio.
Mein Leben war so klein geworden, dass ich es mit zwei Händen halten konnte.
Sechs Monate zuvor hatte ich Margarets Namen im Internet gefunden.
Ich hatte nach einem alten Schulfreund gesucht, so etwas tut man eben, wenn man zu viel Zeit und zu viele Erinnerungen hat.
Meine Gedanken kreisten um Menschen, von denen ich einst annahm, sie würden für immer jung bleiben, und ich wollte nur wissen, was aus ihnen geworden war.
Ich habe nach einem Namen gesucht, dann nach einem anderen.
Beim Scrollen erschien Margaret unter „Personen, die Sie vielleicht kennen“.
Ich starrte auf den Bildschirm, bis mein Tee kalt wurde.
In ihrem Profil waren eine Telefonnummer und mehrere Fotos zu sehen.
