Dann ging etwas schief, was ich nie ganz verstanden habe.
Im Sommer nach ihrem Studienabschluss hörten ihre Briefe auf.
Ich war berufsbedingt in einen anderen Bundesstaat gezogen, und wir hatten monatelang jede Woche regelmäßig geschrieben. Dann kam eine Woche lang nichts, und in der darauffolgenden Woche auch nicht. Als ich nachfragte, was passiert war, erhielt ich keine Antwort.
Ich rief zweimal im Haus an, und beide Male ging ihr Vater ran und sagte mir, sie sei nicht da. Beim dritten Mal sagte er mir ganz klar, dass Eleanor mit der Sache abgeschlossen habe und ich es ihr gleichtun solle.
Ich war 20 Jahre alt und habe ihm geglaubt.
Jahrzehntelang fragte ich mich gelegentlich, was sich verändert hatte. Ich fragte mich, ob ich unbewusst etwas getan hatte oder ob die Distanz einfach zu groß gewesen war.
Ich heiratete schließlich eine gute Frau namens Patricia, die vor sechs Jahren verstarb. Ich baute mir ein Leben auf, für das ich aufrichtig dankbar war. Doch Eleanors Schweigen blieb in einer Ecke meiner Erinnerung haften wie eine Frage, die ich mir nie ganz verkneifen konnte.
Ich sah sie in dem Moment, als ich den Ballsaal betrat.
Sie stand mit einem Glas Wein am anderen Ende des Raumes, unterhielt sich mit jemandem, den ich nicht kannte, und sah so aus, wie Menschen nach 50 Jahren aussehen – anders und doch ganz sie selbst, ihr Haar jetzt silbern, ihre Haltung aber immer noch dieselbe.
Ich spürte, wie etwas Altes und Unkompliziertes durch meine Brust fuhr, wie die schlichte Erkenntnis von jemandem, der mir einst enorm wichtig gewesen war.
Dann drehte sie sich um und sah mich.
Sie erstarrte völlig. Einen kurzen Moment lang war ihr Gesichtsausdruck nicht zu deuten, und ich dachte, sie würde vielleicht lächeln.
Stattdessen zeigte sie quer durch den Ballsaal direkt auf mich.
Und schrie: „DU!“
Es wurde so schnell still im Raum, als hätte jemand den Stecker gezogen. Alle Köpfe drehten sich um. Ich stand mit meiner Jacke noch an im Türrahmen und konnte überhaupt nicht begreifen, was geschah.
