Ich dachte, ich würde einem Streit mit meiner Freundin entkommen, als ich mich auf einen unmarkierten Pfad tief im Wald verirrte. Stunden später brach der Boden unter mir ein, und ich fand mich am Grund eines verlassenen Brunnens gefangen – und starrte auf eine verrostete Tür, die in der Dunkelheit verborgen lag.
Der Wald hatte sich immer wie mein Zuhause gefühlt. Zwölf Jahre lang bin ich auf diesen Pfaden gewandert, und ich hatte nie Angst vor dem gehabt, was unter den Kiefern lauerte.
An jenem Samstagnachmittag sagte ich mir, ich bräuchte die Stille.
Was ich wirklich brauchte, war, Megans Stimme loszuwerden, die mir immer noch in den Ohren klang.
„Du gehst schon wieder allein, Rob? Nach allem, was ich gerade gesagt habe?“
Ich hatte meinen Rucksack zugezogen, ohne sie anzusehen. „Das ist ein Wanderweg, Megan. Kein Kriegsgebiet.“
„Es ist ein unbekannter Weg. Das ist ein Unterschied.“
„Ich wandere schon seit meinem 12. Lebensjahr.“
„Und du warst rücksichtslos, seit ich dich kenne.“
Ich blieb mit angespanntem Kiefer an der Tür stehen. „Ich bin vor Einbruch der Dunkelheit zurück.“
"Das sagst du doch immer."
„Weil es immer wahr ist.“
Sie verschränkte die Arme, ihre Augen glasig, was mir ein stechender Schmerz im Herzen bereitete.
„Eines Tages wird es nicht mehr so sein, Rob. Und dann werde ich derjenige sein, der in den Krankenhäusern anruft.“
"Du übertreibst."
„Ich bin realistisch. Da gibt es einen Unterschied.“
Ich hätte sie küssen sollen. Ich hätte bleiben sollen. Stattdessen ging ich hinaus und ließ die Fliegengittertür hinter mir zuknallen.
Die Fahrt zum Ausgangspunkt des Wanderwegs dauerte 40 Minuten. Ich parkte in der Nähe der Informationstafel der Ranger, wo laminierte Flyer unter Reißzwecken flatterten.
VERMISST. VERMISST. VERMISST.
Ich warf ihnen nur einen flüchtigen Blick zu. Die Gesichter verschwammen zu einem einzigen Bild – eine junge Frau mit roter Mütze, ein älterer Mann mit einer Angelrute, ein Student, der neben einem Golden Retriever grinste.
„Wahrscheinlich ist er abgehauen“, murmelte ich und schulterte meinen Rucksack. „Die Leute hauen immer ab.“
Die ersten zwei Meilen waren einfach.
Das Sonnenlicht brach in langen goldenen Streifen durch das Blätterdach, und die Luft roch nach Kiefernharz und warmer Erde.
Dann sah ich es.
Ein schmaler Pfad zweigt vom Hauptweg ab, halb von Farnen überwuchert. Keine Markierung. Kein Schild. Nur eine dünne Spur im Unterholz, als hätte sie jemand benutzt, wollte aber nicht verfolgt werden.
Ich holte mein Handy heraus und schrieb Megan eine SMS.
„Habe einen coolen Nebenweg entdeckt. Werde ihn mir ansehen.“
Die drei kleinen Punkte erschienen sofort.
"Rob, bitte tu es nicht."
„Alles in Ordnung. Ich schicke Fotos.“
„Man weiß ja gar nicht, wohin das führt.“
"Genau darum geht es."
"Versprich mir, dass du umkehrst, wenn es sich falsch anfühlt."
Ich zögerte. Mein Daumen schwebte über der Tastatur.
"Versprechen."
Ich steckte das Handy wortlos in die Tasche und verließ den Wanderweg.
Der Pfad wand sich tiefer als erwartet. Die Vögel verstummten. Die Temperatur sank. An jedem Stamm wucherte das Moos dichter, und die Farne streiften meine Knie wie Finger, die prüften, wer ich war.
„Nur noch ein kleines Stück“, flüsterte ich mir zu. „Ein Foto. Dann zurück.“
Ich ging weiter.
Ich weiß nicht, wie lange ich dort draußen war, bevor sich der Boden veränderte. Vielleicht 20 Minuten. Vielleicht eine Stunde. Das Licht war weich und schräg geworden, und die Bäume standen enger beieinander, als hätten sie den Atem angehalten.
Dann hörte ich ein Geräusch unter meinem Stiefel.
Kein Knacken. Kein Knirschen.
Eine Höhle.
