"Du hast zu viel für mich aufgegeben."
Sie hat meine alte Liste mit Babynamen in der Krimskramsschublade gefunden.
"Zwing mich nicht, zuzugeben, dass ich müde bin."
Sie drückte mein Handgelenk. „Anständige Menschen dürfen müde sein, Liebling.“
***
Margaret verstarb am Dienstagmorgen im Alter von 96 Jahren.
Am Tag zuvor tranken wir wie immer um vier Uhr Tee. Sie bestellte Zimtkekse, nahm einen Bissen und schob mir den Teller zu.
"Hast du die gemacht?"
"Ja."
„Anständige Menschen dürfen müde sein.“
„Sie haben fast recht.“
„Das bedeutet, dass du sie magst.“
Ich lächelte, denn das Streiten mit ihr war für mich zu einer Art Trost geworden.
Vor dem Schlafengehen ergriff sie meine Hand. Ihre Finger waren dünn, aber ihr Griff war dennoch fest.
„Lass dich nicht kleinmachen, wenn ich nicht mehr da bin“, sagte sie.
Ich küsste ihre Stirn. „Niemand zwingt mich zu irgendetwas.“
Ihre Augen ruhten auf meinen. „Nina, sei nicht höflich, wenn du ehrlich sein solltest.“
"Lass dich nicht kleinmachen, wenn ich nicht mehr da bin."
***
Am Morgen war sie verschwunden.
Die Beerdigung fand drei Tage später statt. Liza weinte so laut, dass sich die Leute in der Küche umdrehten.
„Meine arme Mutter“, sagte sie immer wieder. „Ihren Niedergang mitzuerleben, hätte mich fast gebrochen.“
Eine Nachbarin namens Ruth berührte meine Schulter. „Ich habe dich all die Jahre mit Margaret zu ihren Terminen begleitet. Du warst gut zu ihr.“
Ich hätte beinahe meinen Kaffee verschüttet.
Sie war fort.
"Danke", sagte ich, aber meine Stimme funktionierte kaum.
Dann ertönte Lizas Stimme aus dem Esszimmer.
„Wir sollten den Schmuck überprüfen, bevor etwas verloren geht.“
Brian sagte: „Mama, nicht heute.“
„Der Wohnungsmarkt ist stark“, antwortete Liza. „Wir müssen realistisch sein.“
