Ich heiratete Evie auf der Suche nach Zuflucht, Geborgenheit und der Zukunft, die ihr Zuhause mir, wie ich glaubte, bieten konnte. Ich redete mir ein, es ginge ums Überleben, nicht um Grausamkeit. Doch nach ihrer Beerdigung übergab mir ihr Anwalt einen Schuhkarton, der bewies, dass Evie die Wahrheit immer gewusst hatte.
Anzeige
Ich habe Evie geheiratet und lange Zeit nannte ich es Überleben, weil es besser klang als die Wahrheit.
Evelyn war einundsiebzig, Witwe und so liebenswürdig, dass man sich in ihrer Gegenwart ganz wohlfühlte. Ich war fünfundzwanzig, pleite, bis über beide Ohren verschuldet und schlief in meinem Lieferwagen hinter einem Supermarkt, wo der Nachtmanager so tat, als sähe er mich nicht.
Als Evie mich also fragte, ob ich sie heiraten wolle, sagte ich ja.
Es lag nicht daran, dass ich sie liebte.
Ich nannte es Überleben, weil es besser klang als die Wahrheit.
Es
lag daran, dass ihr Haus beheizt war, ihr Kühlschrank voll war und ich es satt hatte, mir vor Vorstellungsgesprächen in Tankstellentoiletten das Gesicht zu waschen.
Sie wollte nicht länger ums Überleben kämpfen.
***
Als Erstes erzählte ich es Jesse, einem ehemaligen Arbeitskollegen, der nach ein paar Bieren jeden noch so grausamen Gedanken wie einen Witz erscheinen lassen konnte.
Wir saßen in einer Bar, als ich zu ihr sagte: „Jess, ich werde heiraten.“
Jesse wäre beinahe seinem Drink entkommen. „An wen?“
„Evie.“
„Die alte Witwe im blauen Haus?“
„Jess, ich heirate.“
