Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich öffne diesen Geschenkkorb für Bücherwürmer – ich hatte auf eine schicke Tasse gehofft, vielleicht einen Roman, den ich schon zweimal gelesen habe – und finde … ein merkwürdiges kleines Holzobjekt. Eine seltsame Form, irgendwo zwischen Fuchs und Fledermaus. Einen Moment lang dachte ich sogar, es sei eine rustikale Version eines Schlagrings (nicht gerade passend zum Thema „gemütliches Lesen“, aber egal).
Da begriff ich es: Es war ein Daumenbuchstütze. Und aus irgendeinem Grund versetzte es mich augenblicklich in die Vergangenheit zurück.
Das vergessene Gadget wahrer Leser

Nie mehr Seiten, die sich im entscheidenden Moment zuklappen. Nie mehr Krämpfe vom zu festen Umklammern eines Buches in der U-Bahn.
Ich hatte so eins im Studium. Gefunden in einer kleinen, unabhängigen Buchhandlung, die nach Kaffee und Kerzenwachs roch, eingeklemmt zwischen alten Postkarten und Aufklebern mit pseudophilosophischen Sprüchen. Es fristete sein Dasein ganz unten in meiner Tasche, zwischen einem Kugelschreiber ohne Kappe und ein paar Kaugummipapierchen, aber es rettete mich jedes Mal, wenn ich abends las oder in einem überfüllten Verkehrsmittel unterwegs war.
Die kleinen Dinge, die wir vergessen hatten

Das Gewicht eines Buches, der Geruch des Papiers, das leise Rascheln der Seiten – all diese Empfindungen kann kein E-Reader, so praktisch er auch sein mag, wirklich wiedergeben.
